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Von Tramways und alten Männern



Bim Meine angestrebte Destination erforderte die Nutzung der Straßenbahn. An sich nicht ungewöhnlich jedoch bei Schneefall, einerseits so schön idyllisch, andererseits so teuflisch chaosfördernd, wird die Nutzung oberirdischer Öffis zur Odysee. Also rein in den überheizten Waggon und schnell einen Sitzplatz ergattern.

Exkurs: Als ich unlängst Zug gefahren bin, habe ich einem Gespräch gelauscht. Im Laufe dieser Konversation meinte einer der Gesprächspartner, dass sich die Verrohung der Menschheit im rücksichtslosen Streben nach Sitzplätzen in öffentlichen Verkehrsmitteln manifestiert. Irgendwie abstrus. Ich behaupte, dass der Faschismus mit dem Kampf um das letzte Käsestangerl beim Anker gleichzusetzen ist. Exkurs Ende

Mit mir enterte eine Schulklasse die Bim und verursachte bei mir die akute Sorge, dass dies eine sehr laute Fahrt werden könnte. Doch weit gefehlt, denn die Lehrerin war eher ein totalitäres Regime als eine Pädagogin. Jedes geflüsterte Wort wurde mit einem scharfen "Psch Psch" quittiert. Ich habe daraufhin eindeutig mit den Kindern sympathisiert. Diese Parteiergreifung wurde dadurch begünstigt, dass ich vor zwei Tagen einen Schulalbtraum hatte und somit momentan nicht gut auf unser Bildungssystem zu sprechen bin. Die totale Krise brach aus, als ein alter Mann die Kinder ansprach. Totales Entsetzen in deren Gesichter. Höflich sein und antworten oder eine hysterischen Ermahnung der "Frau Lehrerin" riskieren. Soviel kann ich vorwegnehen: Die Höflichkeit siegte. Dadurch wurde der alte Mann jedoch sehr mitteilungsbedürftig und zwar ganz allgemein. Nun trug es sich zu, dass die Tramway in der Station stehen blieb weil der Weg irgendwie versperrt war. So.

Der Mann nach einiger Zeit: "Der muss uns doch informieren, der Fahrer. Dieser faule Kerl." Dazu bedrohliches Stockschwingen.

Wenig später: "Seine Majestät der Fahrer wird doch sagen können was los ist. Dafür wird er schließlich bezahlt und zwar nicht übel." Dazu noch bedrohlicheres Stockschwingen.

Nun ist es angebracht zu erwähnen, dass mich alte Menschen mit Stöcken nervös machen. Dieses tief verankerte Mißtrauen gegenüber gehbehinderten Senioren rührt von einem Erlebnis aus meiner Kindheit. Damals hat mich eine mir unbekannte alte Frau mit dem Stock geschlagen, weil ich die Tauben verscheucht habe, die sie füttern wollte.

Es wäre jetzt übertrieben zu behaupten, ich wollte den Waggon nur wegen dem alten Mann und seinem Stock verlassen. Aber dieser Aspekt spielte bei meinen Überlegungen eine kleine Rolle. Nun aber das übliche Dilemma: Einerseits: Jetzt wartet man schon so lange (die Straßenbahn stand mittlerweile schon 15 min. in der Station), da muss die Abfahrt ja nahen. Andererseits: ich will hier raus. Wer weiß wie lang das noch dauert. Letztlich entschied ich mich fürs aussteigen.

Fünf Sekunden später verließ die Bim die Station.



    
 


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do 100108


sehe: woody allen höre: autos vorbeirauschen weil ich bei offener balkontüre in der küche rauche schmecke: gummibärli rieche: verrauchte wohnung fühle: rastlosigkeit trage: thailandhose (unten sommer) und wollpulli (oben winter) lese: kureishi/ das sag ich dir rauche: heute wenig hätte gerne: ein ende des wartens wäre gerne: in gesellschaft gute tat heute: die wildschweine besucht böse tat heute: die wohnung weiter ...
von nowhere @ 10.01.08, 23:30

do 291107


sehe: abschiede höre: immer dieselben lieder schmecke: bier rieche: nicht nach mir fühle: benommenheit rauche: ich fresse die zigaretten schon fast trage: graues kleid. schwarze strümpfe. schickes rosa unterkleid. lese: gerade ausgelesen: peter stamm/ an einem tag wie diesem. jetzt mache ich weiter mit: john von düffel/ beste jahre; und nebenbei blättere ich im decamerone hätte gerne: mehr ...
von nowhere @ 29.11.07, 19:23

anders.


das sehnen nach dem anders. nach dem wegrücken vom jetzt; wissend, dass die zufriedenheit nie zufriedenzustellen ist. sehnend nach einem alltag, der ohne der bestehende zu sein, ein alltag ist. mit grosser angst. und neugier. mut. der grösser wäre, wäre ich allein. sehnen nach dem anders: das präsent ist, kommen wird, und vielleicht gehen wird. die ...
von nowhere @ 13.11.07, 21:31

di 131107


sehe: mich älter werden rieche: keine vernunft schmecke: aufregung höre: lou reed/ perfect day fühle: morgen trage: lachend rauche: dauernd hätte gerne: zeit für alltag wäre gerne: die einzige gute tat heute = böse tat heute es wird: ich ein drittel jahrhundert alt und keinen tag klüger
von nowhere @ 13.11.07, 21:20

fr 021107


sehe: in meine träume höre: immer dieselben träumlieder schmecke: wieder mehr rieche: leider riechen träume nicht fühle: weiter lese: ein grosser esel trage: mein schlafendes kind hätte gerne: eine freifahrtkarte für die db bzw öbb wäre gerne: in wien gute tat heute: im wald spazieren gegangen böse tat heute: im wald spazieren gegangen es wird: ein waldbrand
von nowhere @ 03.11.07, 00:32

so 281007


sehe: wieder meine küche höre: leaving on a jetplane schmecke: eine angebrochene flasche burgenländischen rotweins rieche: nach letzter nacht fühle: das richtige rauche: österreichische nil (oder warens kim?) lese: die landschaft hinterm zugfenster trage: schwer hätte gerne: unendlich mehr zeit wäre gerne: dort gute tat heute: aus österreich zurückgekommen böse tat heute: alles, was ich derzeit tue, ist richtig es wird: bald ...
von nowhere @ 28.10.07, 19:57

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